00 Verein 2018.jpg01 Verein 2016.jpg02 Zelt1_14.jpg03 2013_1.jpg03 Fahnen.jpg04 HKönig1_14.jpg04 Platz Nacht.jpg05 Baum_13.jpg06 Platz1_14.jpg07 Mai_13.jpg08 Saint_13.jpg09 Schlag.jpg

Tradition

Historie des Vereins

Einige Mitglieder des Männergesangvereins Reifferscheid waren es, die 1913 den Junggesellenverein Reifferscheid gründeten. Nach dem alten Sprichwort "Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang" (Luther) ist diese Verbindung zum Männergesangverein auch nicht verwunderlich, denn bis heute gehört das Singen zu jedem guten Junggesellenabend in Reifferscheid. Gründungsmitglieder waren u. a. Peter May, Johann und Konrad Becher, Peter und Josef Jüngling sowie Josef Schaefer und Peter Langweiler.

Erster Präsident unseres Junggesellenvereins war Josef Schaefer, welcher mit Schriftführer Peter Langweiler, der bis zu seinem Tode dem Verein als Junggeselle treu blieb, die Geschicke in den ersten Jahren in Reifferscheid leitete. Die Freude währte jedoch nicht lange, da schon ein Jahr später mit Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 die meisten Junggesellen zum Dienst an der Waffe berufen wurden. Folglich ruhten die Vereinsaktivitäten über die Kriegsjahre hinweg. Zwei Jahre nach Kriegsende bemühten sich 1920 der alte Vorsitzende Josef Schaefer mit Wilhelm Schaefer sowie Peter und Clemens Jüngling um die Neubelebungdes Vereins. Wer tatsächlich den Vereinsvorsitz damals inne hatte ist zwar nicht mehr überliefert, jedoch ist sicher, dass Männergesangverein und JGV in Eintracht weiter nebeneinander bestanden.

Neben dieser musikalischen Verbindung war eine Hauptaufgabe des Vereins zu jener Zeit auch das Theaterspiel. Die zahlreichen Aufführungen nicht nur in Reifferscheid, sondern auch in den umliegenden Ortschaften sowie in Adenau (Hotel „Friedrichshof”) zeugen davon, dass auch diese kulturellen Aktivitäten äußerst erfolgreich gemeistert wurden. Man zog mit Wagen und Gespann umher und führte die stets ausverkauftenTheaterstücke wie „Hedwig, die Banditenbraut”, „Der Glockengruß aus Breslau” und „Die Hubertusmühle” auf. Zeitpunkt der Aufführungen war in jedem Jahr neben dem Patronatsfest der Michaelskirmes auch das Apolloniafest.

Doch auch diese unbeschwerte Zeit währte nicht lange, da die aufkommenden Nationalsozialisten mit dem Aufbau des illusorischen „Tausendjährigen Reiches” ab 1933 begannen. Jedoch zeigte der Junggesellenverein Reifferscheid in dieser Zeit auch die wohl ruhmreichste Leistung der Geschichte, als man im Jahre 1936 (noch mit Pferdegspannen) den zweithöchsten Maibaum im Deutschen Reich, nach Berlin, aufstellte.

 

 

Zu den traurigen Geschichten in der Zeit während der Herrschaft des Nazi-Regimes gehört auch, dass im Jahre 1938 einige Junggesellen nach Koblenz zum Verhör zur Gestapo geladen wurden. Dies erfolgte nur aufgrund einer Auseinandersetzung innerhalb des Vereins, der sich nicht einigen konnte, ob der Maibaum im Ober- oder Unterdorf aufgestellt werden sollte. Auch wenn sich diese kleine Rivalität der beiden Ortsteile bis heute erhalten hat, ist man sich doch heute mehr als einig, dass mit dem Fronhof der weitaus schönste Platz für den Maibaum gefunden worden ist. Während der verheerenden Zeit des Zweiten Weltkrieges ruhte die Vereinsarbeit von 1939 bis 1945 erneut.

Jedoch ließ eine abermalige Belebung nicht lange auf sich warten, als 1946 Jakob Ewerz zum Präsidenten und Johann Balas zum Schriftführer gewählt wurden. In der Folge waren u. a. Clemens Simon, Peter Schweitzer sowie Michael May die Präsidenten des JGV. Zum 40-jährigen Bestehen 1953 erlaubten sich die Junggesellen eine neue Fahne, die heute noch als kleiner Schatz des Vereins sicher verwahrt ist. Die neue Fahne schwenken durfte zu dieser Zeit Otto Hertel als offizieller Fähndelschwenker des Vereins.

 

 

Zwischen 1960 – 1971 ruhte das eigentliche Vereinsleben, wobei jedoch weiterhin die Brauchtumspflege in Form des Maibaumstellens oder Hillichschleifens etc. gewahrt wurde. Dieser eher beschaulich, ruhigen Zeit des Vereins setzte nicht zuletzt der tatkräftige Einsatz von Josef Thelen ein jähes Ende. Dieser wurde 1972 zum neuen Präsidenten gewählt und sorgte maßgeblich dafür, dass der
Junggesellenverein Reifferscheid wiederbelebt wurde und somit fortbestehen konnte.

 

 

Weitere Vorsitzende waren in zeitlicher Reihenfolge: Herbert Fürsatz, Günther Schmitz, Michael Knechtges und der allzu früh, während seiner Amtszeit verstorbene Wolfgang Klemen. Das danach sicher nicht leicht auszuübende Amt übernahm Albert Hertel. Während seiner Amtszeit schaffte man sich 1983 zum 70- jährigen Bestehen des Vereins eine neue Vereinsfahne an, die bis heute die einzige aktuelle Fahne des Vereins für Feste und Fahrten ist. Zu dieser Zeit erfreute sich das Fähndelschwenken
bei Junggesellenfesten und speziellen Wettbewerben noch großer Beliebtheit, sodass auch für den damaligen Schwenker Raimund Claesgens eine spezielle Fahne von M. Henneberger handbemalt wurde.

Zu Beginn der 80er Jahre veranstaltete der Junggesellenverein einen Filmabend, auf dem der anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Reifferscheid produzierte Film uraufgeführt wurde. Der Eintrittspreis von lediglich einer Mark wurde der Frauengemeinschaft gespendet, wodurch diese sich eine Industriekaffeemaschine für den Basar zulegen konnte.

Als wenig ruhmreiche Aktion, die jedoch ewig mit dem Verein verbunden sein wird, muss das Talent zweier Vereinsmitglieder genannt werden, die an einem Feiertag, nach dem Einzug in die Kirche, zwei alte Fahnen von Reifferscheid zu nahe an den Halogenstrahlern des Gotteshauses platzierten. Als man nach einigen Stunden die Kirche wieder betrat waren beide Fahnen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und mussten ersetzt werden.

Im Jahr 1988 feierte der Verein sein 75-jähriges Bestehen, zu dessen Anlass den Junggesellen eine extra angefertigte Krone von Mike Henneberger gestiftet wurde. Auf dieser wurden seitdem alle Hahnenkönige des Junggesellenvereins namentlich und mit der Jahreszahl ihrer Regentschaft verewigt. Am Kirmesmontag wurde Bernd Hoffmann als erster auf der Krone eingraviert, der es an diesem Tag zu Ehren schaffte und Hahnenkönig von Reifferscheid wurde.

Wenig später sorgte ein führerloser Maibaum im „Kreckelbirch” für helles Aufsehen in den Morgenstunden des 1. Mai. Nachdem die Zugkette gerissen war, schnellte der Baum ungelenkt talwärts. Erst im letzten Moment konnten Vereinsmitglieder die Deichsel herumziehen und den Baum zum Stillstand zwingen, ehe er sich den Weg durch die Fleischerei Thon bahnte.

 

 

Ein Sommerausflug zu einer verschlafenen Burg in Cochem sollte in einem Länderkampf Deutschland gegen Holland enden. Nach der Besichtigung des alten Gemäuers begutachtete zunächst Berthold Krethen (Böötche) den Bodenaufbau im Speisesaal und machte den Burgherren auf die dort herrschenden Missstände aufmerksam.

Im Anschluss an ein gepflegtes Essen wurde den ebenfalls anwesenden Holländern keine Chance in den Spielen des Nachmittagprogramms gelassen. Zur Strafe wurde einer der Oranier von Walter Schaefer am Pranger befestigt. Auf Grund der ausgelassenen Freude und des Genusses von Bier und Wein fühlte sich dieser dazu befähigt, den Schlüssel des Prangers aus dem Burgfenster in die Wildnis zu befördern.

 

 

Freudige und heitere Ereignisse waren es, die in diesen Jahren nicht nur durch den Verein, sondern durch ganz Deutschland und die Welt schwappten. Das geteilte Deutschland vereinte sich zum Staat aller Deutschen und der Tag der Deutschen Einheit wurde 1990 auf den 03. Oktober gelegt. Ein wahrer Glücksfall im doppelten Sinne für den JGV Reifferscheid, denn dieser feiert bekanntlich am letzten Wochenende im September die Michaelskirmes. Es bot sich demnach an, den Vorabend des Feiertages mit in die Planungen aufzunehmen.

Mitte der 90er Jahre starrte alles wie gebannt auf einen jungen Mann aus Kerpen, der die Formel-1 Welt auf den Kopf stellte. Voller Freude organisierte der Verein zur damaligen Zeit eine lebensgroße Abbildung des späteren Rekordweltmeisters und versteigerte diese auf der Kirmes unter den Festgästen. Für stolze 800 Mark wechselte das gute Stück den Besitzer und ist seitdem in Urfeld bei Familie Röder beheimatet. Der Preis entstand durch ein sagenhaftes Wettbieten zwischen Werner Röder und einem Vereinsmitglied, welches im Namen von Claudia Röder diese Pappfigur ersteigern sollte. Somit hatten sich beide Seiten unwissentlich in die Höhe geboten ohne zu wissen, dass die Heimat bereits feststand. Das Geld ging an die Grundschule Reifferscheid, die dieses dann für die technische Ausstattung eines Klassenraumes gut verwenden konnte.

 

 

Ebenfalls in diesem Jahrzehnt wurden die noch heute verwendeten Stehtische angefertigt und die Pflasterarbeiten des provisorischen Kindergartens am Jungendheim durchgeführt. Nach der mutwilligen Zerstörung der Schutzhütte „Alte Burg” half der Verein ebenfalls bei der Wiedererrichtung, indem man neben Bauarbeiten vor Ort auch das Bauholz im Gemeindewald schlug. Hoch anzurechnen ist es außerdem Karl-Heinz Jüngling, Bernd May und Markus Ernst, dass sie sich 1996 die Restauration des Hillichwagens auf die Fahnen geschrieben hatten. Dank ihres Einsatzes kann der Junggesellenverein bis zum heutigen Tage auf dieses historische Gefährt zurückgreifen, wenn es zu Polterabenden geht.

 

 

Ende der 1990er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends kamen die Discos mit Livemusik mehr und mehr in den Vordergrund. Durch den 2. Oktober sah sich der Junggesellenverein vor neue Herausforderungen gestellt. Als Höhepunkt am Abend vor dem Feiertag standen etliche Jahre bis zu 1.500 Besucher an diesem einen Abend vor den Eintrittskassen. Da wurde jedes Vereinsmitglied sowie deren Freundinnen eingespannt, um die Masse an Publikum mit Getränken und Essen zu versorgen. Zu dieser Zeit engagierte der Verein auch den damals noch wenig bekannten Unterhaltungskünstler Günter Perings, der seitdem etliche Jahre die Kirmesbesucher mit musikalischen Glanzleistungen bis in die Morgenstunden auf Trab hielt und zum Tanzen aufforderte. Ein Segen für die Kirmes und das Junggesellenfest. 2001 versuchten sich die Vereinsmitglieder im Stellen des mächtigsten Baumes, den Reifferscheid je zu Gesicht bekommen hatte. Das betonierte Maibaumloch war zu schmal um den Koloss aufnehmen zu können, weshalb er keilförmig zugeschnitten werden musste. Nach stundenlangem Brüllen, Fluchen und Heben bewegte sich der Baum keinen Millimeter weiter. Die Micken waren leider zu kurz und das Gewicht des Baumes mit fünf Festmetern einfach zu gewaltig. Ein Mobilkran erledigte somit den Rest und stellte „das Monster” senkrecht am Fronhof auf.

 

 

Im Sommer veranstaltete der Verein auf dem Sportplatz an der Grundschule ein Fußballturnier über zwei Tage. Zunächst spielten die vier Reifferscheider Altarmannschaften gegeneinander um den Forst-Nück-Cup. Besonderheit des Turniers war die Tatsache, dass keiner der Spieler aktiver Fußballer sein durfte. Ein herzerfrischendes Erlebnis für alle Zuschauer dieser Wettkämpfe. Am Tag darauf wurde ein Turnier unter teilnehmenden Junggesellenvereinen ausgetragen, bei dem ebenfalls viele Zuschauer anwesend waren.

Das Jahr 2002 hatte ebenfalls zwei Höhepunkte der Vereinsgeschichte bereitgehalten. Am 1.Mai staunten die Junggesellen nicht schlecht, als sie im Eller von der Gendarmerie in Empfang genommen wurden. Ein Streich in der Mainacht hatte wohl nicht allen Einwohnern so sehr gefallen wie den Vereinsmitgliedern, sodass erst nach Klärung des Sachverhalts mit dem Aufstellen und den anschließenden Feierlichkeiten fortgefahren werden konnte. Für ein Novum sorgte an der Kirmes Wolfgang Hertel, der in diesem Jahr Hahnenkönig geworden war. Ihm wurde die Ehre und das Privileg zu teil, der erste und einzige Hahnenkönig zu sein, der an einem Sonntag ermittelt wurde.

 

 

2004 entging man nur knapp einer Tragödie beim Aufstellen des Maibaums. Ein geistig umnachteter Jugendlicher hatte sich am Baum zu schaffen gemacht und diesen mit einer Handsäge halb durchgeschnitten. Erst beim Ablassen wurde dieser dünne Schnitt gesichtet. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das 10 Meter lange Stück mit Spitze auf die darunter arbeitenden Junggesellen gefallen wäre.

Enger ging es da schon 2008 zu, als während des Stellens die erste und zweite Micke brachen. Nur durch ein Arbeiten von Hand in Hand war es möglich, die gebrochenen Fichtenstämme zu ersetzen und den Baum aufzurichten. Im selben Jahr überlegte man zudem, das Kirmeszelt neu zu organisieren. Die Theke, Sektbar und Bühne wurden komplett umgestaltet und an anderen Stellen im Zelt platziert. Dies kam so gut bei den Festgästen an, dass der Aufbau bis zur heutigen Kirmes gleich geblieben ist.

Zur Kirmes 2012 organisierte Dirk Löhr eine Kabeltrommel, die am Aktionstag zusammen mit dem Sektbarschild und neuen Werbetafeln auf Vordermann gebracht wurde. Sie fungiert als riesiger Stehtisch mit Schirmständer und integrierter Beleuchtung. Dieser wurde an sämtlichen Tagen so sehr genutzt, dass man sich entschied, ihn in Verwahrung zu nehmen und von nun an auf jeder Kirmes wieder zu errichten.

 

 

Ende 2012 schlug man dann den Rekordbaum, der unter dem Motto „Wie vor hundert Jahren…” am 1.
Mai 2013 in die Höhe gebracht wurde. Nach dem Ablassen des Baumes wurde dieser zu Baumaterial verarbeitet, um es für die Konstruktionen des Kirmeszeltes und des Festplatzes zu nutzen. Die Kirmes und das Junggesellenfest anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens gestaltete sich als voller Erfolg. Bereits am Samstag eröffneten die Musiker der „MSB Show Band” das Fest. Am Sonntag folgte die Messe mit Fahnenweihe, sowie der Festkommers und der Umzug durch den Ort, an dem zahlreiche Vereine aus der Umgebung teilnehmen. Die Einwohner von Reifferscheid hatten zu diesem Anlass die Gemeindefahnen sowie die Frohnleichnamsfahnen herausgehangen um den Ort festlich zu Schmücken. Montags wurde dann nach einer riesigen Feier der Hahnenkönig des Jahrhunderts ermittelt, auf den alle Vereinsmitglieder bereits gespannt waren. Zum Abschluss stieg am 2. Oktober unsere „Party like a Rockstar”.

 

 

In Anlehnung an die Chronik aus dem Jahr 1988 bleibt uns in erster Linie nur zu sagen: DANKE, dass wir dieses Jubiläum feiern durften, denn es waren Generationen von Reifferscheidern, die diesem Verein die Treue geschworen haben und ihn am Leben hielten.

Abschließend bleibt zu wünschen, dass diese sinnvolle und schöne Einrichtung „JGV Reifferscheid” noch lange aktiv bestehen bleibt, sodass eine der nächsten Junggesellen-Generationen den 125ten oder gar 150ten Geburtstag des Vereins feiern kann (frei nach Albert Simon, Ehrenmitglied JGV Reifferscheid).

(Stand: Winter 2013)

 

 

Zum 100-jährigen Bestehen des JGV "Einigkeit" Reifferscheid hat der Verein eine Chronik erstellt, die die Geschichte, Traditionen und Brauchtümer enthält und dem Leser einen guten Überblick über das Wirken des Vereins erlaubt.

 

 

 

Ein Exemplar der Chronik kann weiterhin beim JGV Reifferscheid erworben werden.

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